Programm: Von Starken Frauen und klugen Mädchen

Kennt ihr eine berühmte Märchenheldin?
Eine Prinzessin, die auszog, ihren Prinzen zu erobern?
Frauen mit Bärenkräften, die ganze Bäume mit links aus der Erde heben?
Mädchen, die so klug sind, das es für zwei reicht?

Nein?
Dann hört einmal Onkel Tonka zu, der weis von so einigen Frauen, die sich in der Welt behauptet haben.

Christopher Robin erzählt Märchen von klugen, starken und mutigen Frauen, die ihre eigenen Wege als Märchenheldinnen gehen.

Für Grundschüler von der 2. bis 5. Klasse
Dauer: ca. 50 Minuten

Projekt: Das Leiferer SagenProjekt

Märchen und Sagen gibt es, seit Menschen auf der Welt sind, die gemeinsam um ein Feuer sitzen und dabei Worte und Gedanken austauschen, in allen Ländern, bei allen Völkern, in allen Strassen und Gassen. Märchen handeln von Furcht und Mut, von Liebe, Heirat und Abenteuer, von der großen Reise, von fabelhaften Wesen und zauberhaften Begebenheiten und Dingen; Sagen erzählen nicht selten von verfluchten Wesen und deren oft fatale, mystische Begegnung mit einfachen Menschen, deren Namen und Leben mit realen Orten und Zeiten eng verbunden sind. So manch eine Sage, in einer alten, von einem Holzofen beheizten Stube frei erzählt, eine kalte Winternacht vor den Fenstern, gleicht einem modernen Thriller im Fernsehen, gruselig und verstörend; wieder andere Sagen erzählen uns von hilfreichen Wesen, die auf unerklärliche, mystische Weise, Glück und Segen über die ihnen wohlgesonnenen Menschen bringen, solange diese ihre sonderlichen Weisungen beachten und wertschätzen.

In Leifers widme ich mich seit November vergangenen Jahres einem Erzähl-Projekt im leiferer Seniorenzentrum, das die raren leiferer Sagen und Volkserzählungen sucht und wieder erzählbar macht. Gemeinsam mit einigen Leiferinnen blättern wir in alten Sagenbüchern nach überlieferten Sagen und forschen im Gespräch mit anderen Leiferern nach Sagenkeimen, nach leiferer Sprichwörtern, sagenhaften Ortsnamen oder mystischen Wesen, von deren Existenz der ein oder andere noch weiß. Gemeinsam erzählen, phantasieren und fabulieren wir im kleinen Kreis über die schöne Aldeinerin vom Göllersee, über die hochmütigen und grausamen Bewohner der alten Stadt Nisselburg, fragen uns, woraus wohl der Schatz unterm Peterköfele besteht und alleweil wird erzählt, wie es früher war und Erklärungen gesucht, warum es wohl zu der einen oder anderen Sage gekommen ist, überlegen, zu welchen Gelegenheiten in Leifers einst erzählt wurde.

Das Brainstorming zur Sage vom „alten Costanza“, den es einst wirklich gab.

Fünf Treffen haben wir seit November gehabt, fünf werden noch folgen und zum Abschluss, im Mai, werden wir gemeinsam die Ergebnisse unserer Sagensuche auf der Bühne erzählen. Bis dahin geht unsere spannende Reise durch die Geheimnisse der alten Volkserzählungen weiter und ich bin neugierig, welche Geschichte wir als nächstes entdecken.

Erzählnächte 2014 / 2015 in Marias alter Bauernstube

Unsere erste Erzählnacht begann um 12 Uhr.
Mittags.
Geschichten mögen es gerne, wenn man es ihnen gemütlich macht, sie wollen sich eingewöhnen, möchten die Räume erkunden, die Menschen kennen lernen, die Märchen wollen ihre Wunder und Zauber in den Ritzen und Kanten, hinter den Vorhängen und unter den Decken verstecken, Stimme und Seele mögen von der Luft kosten und sie gleichsam zum Schwingen bringen …

Das brauchte seine Zeit, und so waren wir schon mittags zu Marias Bauernhof angereist, um uns und unsere Wirkungsstätte vorzubereiten.

Um 16 Uhr habe ich die erste Runde Geschichten erzählt, zum Aufwärmen, drei davon, anschließend hat Corinna mit dem Feuer getanzt und Andrè das Digeridoo und die Djembe tönen lassen … für all jene, die uns noch vor Einbruch der Nacht wieder verlassen mussten.

Maria, Valentin und Angela haben uns derweil Waffeln auf der alten Küchenhexe gebacken, die dann schneller verspeist waren, als man schauen konnte.

Um 19 Uhr begann die Erzählnacht für alle, die dort übernachteten; Decken, Schlafsäcke, Kissen, Puppen und Kuscheltiere suchten sich ihre Plätze, Geschichten um Geschichten sammelten sich um den alten Ofen in der Bauernstube, weise Hirten, dumme Bauern, Landstreicher, Könige, Prinzessinnen, Abenteuer und weite Wege, fremde Länder besiedelten unsere Ohren, belustigten oder stimmten uns nachdenklich, zeigten die Liebe und den Hass, den Geiz und den Großmut, das Kleine und das Große, das Liebe und das Böse …
Um 1 Uhr nachts schlossen wir unsere Augen.
Um 6 Uhr morgens erklangen die ersten Gitarrenklänge, Geschichten weckten die Schlafenden sanft aus ihren Träumen.
Und als sich alle aus ihren Schlafsäcken und Kissenburgen befreit hatten, brachte uns Maria ein wunderbares Frühstück mit Kakao und süßem Zopf, mit Kaffee, Marmelade und Bauernbrot.

Das war eine wunderbare Nacht. Danke an alle, die sich daran beteiligt haben, an alle, die zugehört haben, an alle, die geholfen haben, an Maria, dafür, dass sie uns ihre alte Bauernstube hergerichtet und zur Verfügung gestellt hat, überhaupt für die ganze großartige Verköstigung, für das frühe Aufstehen und für das Frühstück, Dank an Corinna für ihre Geschichten und ihren wundervollen Feuertanz, an Andrè für die musikalische Begleitung …

VideoDoku der 2. Erzählnacht in Gsies, 2015

Zum Gelingen der Erzählnacht 2014 haben neben vielen Anderen folgende Künstler beigetragen:

Maria Hofmann
Bergbauernhof Voadohuibn, St. Magdalena Gsies
E-Mail: voadohuibn@rolmail.net
Voadohuibn; Urlaub auf dem Bauernhof
Corinna Walder, Sillian, Osttirol
Märchenerzählerin, Feuertänzerin, Mitmachzirkus-Kinderanimation, Kinderschminken, Walking-Acts, Didgeridoo-Spielerin
corinna.walder@gmail.com
http://www.dasspielvolk.at
Andrè Schmid, Sillian, Osttirol
Musiker – Sänger/Songwriter, Didgeridoo-Spieler, Komponist/Produzent
E-Mail: kontakt@andre-schmid.at
http://www.andre-schmid.at
http://www.sacred-keys.com
Christopher Robin Goepfert, Klausen, Südtirol
Geschichten- und Märchenerzähler, Koch
E-Mail: mail@goyastorys.art
https://goyastorys.art

Geschichte: Der Schweinehirt im Birnbaum

Es war einmal eine böse, bitterböse Königin, deren Herz von Hass und Missgunst erfüllt war. Und ihr liebster Zeitvertreib war es, ihren Dienern und Untergebenen unlösbare Aufgaben zu stellen, Rätsel, deren Antworten nicht einmal ihre klügsten Berater und Wesire wussten. Und jedem, der versagte, der die Aufgaben der Königin nicht bewältigen konnte, drohte die schlimmste Strafe, bis hin zum Tod.

Eines Tages rief die Königin zwei ihrer Diener zu sich und befahl: „Kocht mir ein Hammelfleisch, ein wunderbar zartes Hammelfleisch. Doch hört, ich will, dass ihr das Hammelfleisch aus Steinen kocht. Schafft ihr das nicht, so seid ihr des Todes!“

Die Diener erschraken: Hammelfleisch aus Steinen zu kochen, war unmöglich. Doch widersprachen sie der Königin nicht, verneigten sich nur und verließen den Thronsaal. In ihrer Verzweiflung fragten die beiden Diener jeden, den sie trafen, um Rat, die Köche der Palastküche, die Mägde, einfach jeden, doch keiner wusste um das Geheimnis, wie man aus Steinen Hammelfleisch kochen könne. Doch als sie gerade aufgeben wollten, da kamen sie an einem Birnenbaum vorbei, unter dem sich Schweine im Schlamm suhlten, und als sie nach oben blickten, da sahen sie einen Schweinehirten in der Krone des Baumes sitzen; sahen, wie er süße Birnen aß. Und die beiden Unglücklichen dachten bei sich: Alle haben wir gefragt; fragen wir den auch noch. Sie riefen zum Schweinehirten hinauf: „He, Schweinehirt, sprich, kannst du uns Antwort geben? Die Königin verlangt von uns, dass wir ihr aus STEINEN Hammelfleisch kochen. Und wenn wir es nicht können, so wird sie uns töten lassen. Sag, weißt du, was wir tun sollen?“ Der Schweinehirt warf seinen Schweinen eine angebissene Birne auf die Weide, lachte und sprach: „Das ist eine einfache Aufgabe. Hört: Geht auf die Weide zum Schäfer, schlachtet dort einen fetten Hammel und kocht der Königin ein zartes Hammelfleisch daraus und sie wird zufrieden sein.“ Die Diener blickten erstaunt zum Schweinehirten hinauf, bedankten sich für die Antwort und gingen, der Königin Hammelfleisch zu kochen.

Die Königin aber, die längst mit anderen Gemeinheiten beschäftigt war und die Aufgabe der beiden Diener schon vergessen hatte, aß ihr wunderbar zartes Hammelfleisch und war zufrieden.

Der König jedoch hatte nicht vergessen und ließ die beiden zu sich kommen und fragte: „Sagt, wie habt ihr es geschafft, aus STEINEN Hammelfleisch zu kochen? Ihr wisst es, ich weiß es: es ist nicht möglich. Also sprecht.“ Die beiden Diener wussten nicht, was sagen sollten, und stammelten nur: „Herr, es ist, wir haben … dort draußen, der Schweinehirt, der dort auf der Weide im Birnbaum hockt und süße Birnen isst, der hat es uns gesagt, hat gesagt, wir sollten einfach einen Hammel schlachten, Herr, wir wären sonst des Todes …“ „Das ist mir gleich. Bringt mir den Schweinhirten.“

So gingen die beiden Diener zum Birnbaum zurück und riefen: „He, Schweinehirt, der König verlangt, dich zu sehen. Komm und geh mit uns.“ Der Schweinehirt aber biss in seine Birne,warf den Rest zu seinen Schweinen herunter und sagte: „Sagt dem König, ich habe keine Zeit.“ Da waren die Diener ratlos, gingen zum König zurück und erzählten ihm, was der Schweinhirt gesagt hatte. Da wurde der König furchtbar zornig und begab sich höchstpersönlich zum Birnbaum und rief:

„Heda, Schweinehirt, wie kommt es, dass du keine Zeit hast, wenn der König dich ruft?“

„Ich habe zu tun.“

„Was, bitte“, fragte der König, „was kannst du so Wichtiges zu tun haben, dass du nicht kommen kannst, wenn der König dich ruft, Schweinehirt?“

„Ich muss die Lebenden und die Toten zählen, die es auf der Welt gibt, damit ich weiß, wer mehr ist: Ob es mehr lebende Menschen oder mehr tote Menschen gibt.“

„Ja, und“, sprach der König, der über seine Neugier seinen Zorn vergessen hatte, „zu welchem Ergebnis bist du gekommen?“

„Nun“, antwortete der Schweinhirt und schaute vom Birnbaum auf den König herab, „es gibt genau gleichviel Tote wie Lebendige auf der Welt. Jedoch, wenn ich denjenigen, der den Tod verdient hätte, noch zu den Toten rechnen würde, dann wären diese in der Überzahl.“

Da staunte der König und fragte: „Ja, aber wen würdest du denn zu den Toten rechnen; wer hätte denn nach deinem Sinn den Tod verdient?“

Der Schweinhirt biss in eine Birne und der süße Saft lief ihm aus dem Mund, als er sagte: „Du, König, verdienst den Tod, denn du weißt, wie bitterböse deine Königin ist, weißt darum, dass sie aus reiner Bosheit quält und tötet und willst doch deine Diener ihrem Hass ausliefern. Darum hast du den Tod verdient.“

Als der König hörte, was der Schweinehirt sprach, und verstand, was er meinte, nahm die Krone, die auf seinem Kopf saß, herunter, legte sie zwischen den Schweinen am Fuße des Birnbaumes nieder, ging davon und kam nie wieder.

Nach einem georgischen Volksmärchen


2015 zum ersten Mal gehört im Erzählkreis St. Andre-Wördern, dort erzählt von Claudia Mohr,
dann oft von mir frei nacherzählt und irgendwann hier aufgeschrieben.

Programm: Onkel Tonka's Gurkenglas-Geschichten

In einem Gurkenglas findet man saure Gurken. Doch als Onkel Tonka in sein Gurkenglas greifen will, holt er keine Gurke heraus:
In seinem Gurkenglas findet er eine Geschichte. Und die will unbedingt erzählt werden…

Der Erzähler läd die Kinder auf eine verzauberte Reise ein, quer durch seine frei erzählten Geschichten und Fabeln, begleitet von den sonderbaren Gestalten und klugen Tieren, die in seinem Gurkenglas stecken.

Christopher Robin erzählt Geschichten, Märchen und Fabeln, begleitet von Flöte, Gitarre, und seinem reiselustigen Koffertheater.

Dauer: zirka 60 Minuten
Für Kindergarten und Grundschule
Bis maximal 30 Kinder