Über das Erzählen: Goya und die Zaubermärchen

Vor einiger Zeit habe ich mich mit einer lieben Kollegin über Märchen und Geschichten im Allgemeinen und im Speziellen unterhalten. Ich weiß nicht mehr warum, aber wir kamen auf das Thema „Zaubermärchen“ und wie wir mit den phantastischen Elementen darin umgehen . . .
Da musste ich lange in meinem Repertoire suchen und feststellen, das ich kaum Zaubermärchen erzähle. Das Gros meiner Geschichten sind Schwänke, Schelmengeschichten, Schwankmärchen. Hier und da eine aufgearbeitete Sage. Wenn Zauber vorkommen, dann meistens als Teil eines Schwankmärchens.

Zu Beginn meiner Erzählerarbeit habe ich einige Male eine aus dem deutschen Sprachraum kommende Kreuzung von Jacobs‘ „Jack und die Bohnenranke“ und Grimms „Tischlein deck dich“ erzählt, aber nur im Rahmen eines langen Schwankes, in dem ein gewitzter Schelm mit diesem Märchen die Herkunft gefälschter Zaubergegenstände erklärte, welche er in betrügerischer Absicht einem reichen Geizkragen unterjubeln wollte. Gewissermaßen habe ich jenes Zaubermärchen also auch nicht selbst erzählt, sondern an eine Figur in der Geschichte übergeben, die das dann überzeugend und gekonnt übernommen hat.

Wenn ich nun meine Geschichtensammlung durchgucke, finde ich im hintersten Teil einen ganzen Satz mit Märchen, die ich irgendwann einmal zum Erzählen vorbereitet habe, weil mich ihre Themen angesprochen haben, welche aber nie oder nur vereinzelt ihre Wege in meine Programme gefunden haben; die meisten aus diesem Bereich sind Zaubermärchen.

Eigentlich sonderbar: Wenn ich Zaubermärchen von anderen ErzählerInnen höre, oder wenn ich sie lese, gefallen mir viele von ihnen. Aber wenn ich sie zum eigenen Erzählen aufarbeiten möchte, gelingen sie mir nicht leicht. Sie kosten mich erheblich mehr Aufwand, wenn ich sie zubereite.

Ich werde mir wohl in naher Zukunft mal wieder ein paar Zaubermärchen vornehmen, und diese, genauso wie mich selbst, aktiv mit diesem Umstand konfrontieren. Es scheint mir, als ob in der Arbeit mit den Zaubermärchen noch einiges an Potenzial steckt . . .

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